Immer wieder bekommen wir Fotografen die Frage gestellt "...was für eine Kamera hast du/ist das?", doch das ist ja nicht einmal die ganze Frage, geschweige denn die richtige Frage! Denn eingeleitet wird die Frage mit "Tolles Bild/Foto...", was wir ja gerne hören; dennoch ist die Frage an sich falsch, denn wir sind auf A R B E I T und auf Arbeit nutzen alle Werkzeug. Ob der Elektriker die Abisolierzange und seinen Phasenprüfer in der Tasche hat, der Maurer seine Kelle und einen Spachtel und ein Arzt sein Stethoskop um den Hals und den Kuli für sein Krypta in der Brusttasche trägt: das ist alles Werkzeug.
Jeder Fotograf wird auf der Straße irgendwann mit "...die hab ich auch..." konfrontiert, gefolgt von einer Wertung und der Frage "Welche Einstellungen nutzt du?", und auf eine Antwort folgt die eigene Erfahrung, oft im Stil von "...ehrlich? Also bei mir...".
-- Da frage ich mich ja, ob diese Leute auch den Handwerker daheim nach deren Werkzeug ausfragen!? --
Man kann nicht jede Frage abwenden mit "ich arbeite hier", obgleich das oft der Fall ist, aber auch nicht ewig erklären, warum man jetzt im Schatten ein Bild mit Blitz macht, wenn 5m weiter die Sonne so schön scheint. Wenn man dennoch die Zeit für ein Gespräch findet und es passt, erfährt man recht schnell, dass man von Personen angesprochen wird, die - in den meisten Fällen ist das so - viel Geld für eine wirklich gute Kamera ausgegeben haben und dann oft nicht zufrieden mit den Ergebnissen sind. Natürlich kann nicht jeder eine Kamera in die Hand nehmen und sofort die besten und schönsten Fotos machen, es ist ja nicht mal möglich die Kamera einer anderen Person in die Hand zu nehmen und das gleiche Ergebnis zu erzielen. Das hat wahrscheinlich jeder bereits am eigenen (Kamera-)Leib erfahren, der einen Fremden bat ein Foto von sich und x anderen vor/neben einem POI (point of interest) machen zu lassen. Das Ergebnis ist dann eher die Frage an sich selbst "Was ist das? Konnte/kann der nicht fotografieren?"
-- An dieser Stelle darf man ruhig erwähnen, dass Smartphones hier einen Vorteil bieten. --
Unser Werkzeug ist speziell, das Smartphone für die stumpfe Masse¹. Beinahe jeder kann ein gutes Foto/Bild mit dem Smartphone machen, der große Bildschirm ist dabei das beste Hilfsmittel! "Warum ist jetzt der Bildschirm das beste Hilfsmittel?" fragst du dich jetzt, und die Antwort ist so simpel: Du machst das Foto auf dem Gerät (und in der Größe wie es gedruckt wird, wenn das noch passiert) auf dem es wahrscheinlich rum gezeigt wird. "Aber es könnte dennoch schlecht werden!" ist jetzt ein guter Einwand, doch da kommt der Künstler in jedem hoch und es passiert folgendes, ganz unterbewusst:
- jetzt nicht blamieren, das Pärchen steht vor dem Brandenburger Tor, das muss man erkennen
- so würde ich mir das Foto bei mir auch hinstellen
- ich mach mal noch eins hochkant, so funktioniert es auch als Hintergrundbild auf dem Smartphone
Na, wiedererkannt? Und warum macht das nicht jeder auch mit einer Kamera so? Angst etwas zu verstellen oder kaputt zu machen! Und wenn es die eigene ist? Ich hab was verstellt und ich weiß nicht was ich verstellt habe und jetzt sind meine Bilder zu:
- dunkel
- hell
- unscharf
- verwaschen/verschwommen
- verpixelt (Rauschen)
Jetzt hat die 4.000 EUR Kamera einen Defekt und hier hilft vielleicht nur noch ein Werksreset. Aber was wenn das jetzt nicht gebracht hat? Die Kamera wird an jemanden weitergegeben, der sich (wenigstens etwas) auskennt und der dreht wahrscheinlich "nur" das Moduswahlrad auf der Kamera (meist oben rechts) auf Auto/iAuto/i[o]+/A+² und erstmal funktioniert auch alles ganz gut; Kameras ohne eingebauten (oder automatischen) Blitz gehen dann aber komischerweise bei der nächsten Party "kaputt".
-- Welche Kamera braucht wer? Was ist das beste? Warum ist DIESE Kamera jetzt nicht so gut? --
Du hörst von Vollformat/Fullframe, APS-C, micro four thirds, 1 inch/zoll Sensor und diversen Kleinstsensoren 1/1,56" / 1/1,2.8" / 1/2,3" (" steht für inch bzw zoll) die in Kompakt-, Bridge- und (Super-)Zoom Kameras als auch in den aktuellen Smartphones zu finden sind. Vielleicht hast du auch von Halbformat/Medium-format Kameras gehört?
Die größe des Sensors hat lange Zeit viel über die zu erwartenden Ergebnisse ausgesagt, was heute teilweise noch geschieht. So heißt bzw hieß es wie folgt "je kleiner der Sensor desto schlechter...". Aber was ist denn nun schlecht? Allgemein gesagt: es gibt kein allgemein schlecht! Ein alter Vollformat Sensor von z.B. 2000 ist heute "genauso" gut wie einer von 2020 oder 2025. Aber ein 1/2.3" Sensor von 2010 ist nicht genauso gut wie ein neuerer Sensor von 2025.
Unterschätzt wird oft das Objektiv, welches an der Kamera angebracht ist. Klar, wenn ich im Zoo bin, möchte ich den Ara oder den Affen auf dem Ast schön groß auf meinem Bild haben. Ich kann warten bis das Tier nach vorne zum Zaun kommt, oder ich habe ein Tele-Objektiv z.B. in Form einer Super-Zoom-Kamera (ab 7x). Dann komme ich gut mit der größe des Objekts hin, aber dann ist das Bild plötzlich verwackelt/unscharf/dunkel/"nicht schön" - das liegt dann an der sogn. Blende. Auf den meisten Objektiven findet man folgende Angaben:
- Hersteller
- Reihe (oder Ausführung)
- Brennweite (min und max)
- Blende (min und max)
- Filter Durchmesser
Dabei variiert die Beschriftung von Hersteller zu Hersteller, wo diese Beschriftung zu finden ist. Bei Nikon z.B. stehen diese Informationen ganz vorne auf dem Objektiv und ein bisschen mehr Informationen stehen oben auf dem Objektiv. Die meisten Hersteller von Objektiven beschriften ihre Objektive ähnlich, aber dezenter. Diese Informationen sind die wichtigsten Informationen, um vorherzusagen, wie gut ein Foto werden kann. Aber weder Sensor noch Objektiv sind ein Garant für ein gutes Foto, wenn die Kombination zwar zusammenpasst aber nicht zur Situation. Wer seinen Hund abends im Wohnzimmer beim schlafen fotografiert, braucht ein Objektiv mit einer GROSSEN Blende (z.B. f/2.8), was die meisten Smartphones auch bieten. Aber wenn du eine Kamera hast und du diese in einem sogn. Kit mit Objektiv gekauft hast, dann hast du wahrscheinlich nicht das richtige Objektiv für "schnell mal ein Foto" in dieser Situation. Deine Kamera hat einen Blitz (eingebaut oder aufgesteckt) aber du willst den Hund nicht wecken und die Stimmung des Bildes kommt mit Blitz auch nicht rüber - dann geht es an die Einstellungen:
- ISO HOCH (400-1.600 sind bei großen Sensoren normal gut)
- Verschlusszeit HOCH (1/60s ist gut bei Tageslicht, jetzt brauchen wir 1/30s oder 1/15s)
- I.B.I.S. / OIS (Bildstabilisator Kamera/Objektiv)
Dein Smartphone macht das alles automatisch, verlässt sich aber auf deine Geduld und ruhige Hand. Wenn dein Smartphone einen "night mode" also Nachtmodus nutzt, dann zeigt es dir auch an "ruhig halten" und das Bild wird gut. Eine Kamera zeigt dir solche Hilfen nicht an, da muss man eben üben oder tiefer in die Tasche greifen. Du willst beim Minigolf im freien Fotos von der action machen und ein Siegerfoto oder die scorecard ablichten, dann brauchst du nicht so viel neues/besseres!
So, welche K O M B I N A T I O N brauchst du jetzt? Das kann man nicht pauschal Sagen! Zuerst frag dich folgendes:
Was für Fotos möchtest du machen?
- Landschaft
- Menschen
- Details
- Sport
- Tiere
Wo wirst du fotografieren?
- draußen -- Sportplatz -- Wald
- drinnen -- Halle -- große Räume -- kleine Räume
Wer/Was ist dein Motiv?
- Menschen -- Kinder -- Teenies -- Erwachsene -- Ältere
- Tiere -- wie weit weg -- wie schnell -- wie groß
- Landschaft -- Tageszeit -- Jahreszeit
Was passiert mit den Fotos hinterher?
- drucken -- Material -- Größe
- digital -- Präsentation -- digitaler Bilderrahmen
Was hab ich für ein Budget?
- Geld spielt keine Rolle
- ein paar Monate sparen
- jemandes Kamera liegt sonst nur rum
Du möchtest "ernsthaft" fotografieren und du hast etwas im Hinterkopf? Du solltest dich umschauen, z.B. bei Flickr oder bei YouTube und nach dem was dich interessiert suchen. Wenn du dein Gebiet bereits kennst oder bei Flickr/YouTube fündig geworden bist, dann hast du sicher schon einen Überblick über das was die Personen machen und benutzen um zu ihren Ergebnissen zu kommen. Einige Fotografen haben Tutorials oder "gute Anhaltspunkte für den Anfang", diese kosten meist etwa 50 - 200 EUR. Wenn du das gleiche Equipment kaufst und allen Tutorials/Tipps folgst, sollten die Ergebnisse bald reproduzierbar sein, aber nicht von jetzt auf gleich.
Angenommen, du hast von den neuen Kameras von Sony (aktuell 05/2026) gelesen oder gehört, die jetzt erhältlich sind: Sony A7 M5, Sony A7R M6 oder Sony RX1R M3. Auch Canon und Nikon haben gerade neue Modelle vorgestellt oder sind "geleaked" worden. Jede dieser Kameras ist teuer, wirklich sehr teuer! Aber jede dieser Kameras hat einen oder mehrere Vorgänger und sind auf dem Gebrauchtmarkt gut zu finden. Bei den meisten Kameras wird angegeben, wieviele Auslösungen diese Kameras bereits haben; das klingt zwar seltsam, ist aber wichtig für den Preis und was man von der Kamera für eine Lebensdauer noch erwarten kann. Der mechanische Verschluss einer Kamera ist oft für 50.000 bis 500.000 Auslösungen gebaut, das heißt nicht, dass die Kamera bei Foto 49.999 noch funktioniert und das nächste Bild zerstört sie! Fast alle Kameras schaffen mehr Auslösungen und können meist auch repariert werden, sollte der extremfall eintreten. Auch haben moderne Kameras die Möglichkeit ohne mechanischen Auslöser zu funktionieren, das ist dann der elektronische Verschluss. Wenn dein Budget z.B. für eine aktuelle Kamera von Olympus (bzw. OM-Systems) nicht reicht, oder dir (gefühlt) der Sensor dieser Kamera nicht reicht (zu klein scheint), du aber eine Nikon (z.B. günstiger) bekommen kannst, brauchst du auch das passende Objektiv. Natürlich haben alle Kamerahersteller eigene Objektive, die alles abdecken, was man sich vorstellen und auch brauchen kann; es gibt aber auch Dritthersteller wie Tamron, TTArtisan, Sigma usw. und wer da für sich das Beste herausholen möchte, schaut am besten bei YouTube Videos in denen Objektive getestet werden. Auch gibt es Videos, die einem erklären "Warum brauchst jetzt du keine neue/s Kamera/Objektiv" und auch Beiträge "Warum Kamera X von DIESEM Hersteller von 2005 heute noch gut ist" - lass dich davon nicht ablenken oder irritieren, einige haben einzelne Videos die pro und contra für ein und dieselbe Kamera sind.
¹ Zitat von "die Ärzte" ² bekannte Modi der großen/bekannten Marken
