Was ist mein Motiv

Dein Budget ist begrenzt und dein Motiv scheint in ungreifbare Entfernung abzudriften?

Eine Frage die man sich nur zu oft stellt, dabei ist sie unnötig! Für beinahe jedes System und Budget gibt es Kameras und Objektive. Ich könnte jetzt keinen Hersteller nennen, für den es kein Weitwinkel-/Tele-/Makro-Spezialisten gibt. Leider - muss man ja sagen - sind die meisten Kit-Objektive Standardzoom-Objektive, d.h. sie haben eine Brennweite im Bereich von 24mm bis etwa 85mm. Dann gibt es noch sogn. Doppelzoom-Kits (z.B. von Olympus/OM-Systems) die einen Bereich von 28-300mm abdecken können; dabei wird zwischen zwei Objektiven gewechselt:

  • 14-42mm
  • 40-150mm

Olympus/OM-Systems Kameras und die Panasonic G-Reihe Kameras haben einen Micro Four Thirds Sensor mit einem CROP-Faktor, das ist quasi der größte Unterschied zwischen den meisten Kameras im Hersteller-/Modellvergleich. Den Crop zu kennen ist mit das wichtigste was man zu seiner Kamera wissen muss, aber wenigstens was das sogn. Kleinbild-Äquivalent ist. Nach wie vor vergleichen wir u.a. Brennweiten mit dem was eine analoge Filmkamera braucht/hat/hatte. Vollformat/Fullframe braucht hier keine Umrechnung, da der Sensor so groß ist wie der Ausschnitt der auf dem Film in der analogen Kamera belichtet wird. MFT/M43 (Micro Four Thirds) hat einen Crop von 2, d.h. wir verdoppeln jede Brennweite für Kleinbild. Eine Sony alpha 6000 oder Nikon D5000 Kamera hat einen APS-C Sensor, dessen Crop mit 1,5 angegeben wird - deren Standardzoom hat oft den Bereich 18-55mm, was einem 27-82,5mm Objektiv gleich kommt; jedoch werden immer die nächstgelegenen Brennweiten genannt die im Kleinbildformat bekannt/verbreitet waren (hier z.B. 28-80 oder selten auch 28-85). Das Bild zu diesem Text wurde mit einer Olympus Pen E-P3 und einem 40-150mm Objektiv gemacht, und zwar mit vollem Zoom auf 150mm bzw 300mm - und dann habe ich so viel vom Bild ausgeschnitten, dass der Mond mit seinen Kratern und Schatten noch besser zur Geltung kommt. Kann man dieses Bild (in dieser Auflösung: 1517x1026, 1,55 MP) drucken? Sicher, aber nur bis etwa 30x20cm für die Wand. Das original Bild hat 4.032x3.024 also 12,3MP und könnte mit 1,40x1,05m schon sehr groß gedruckt werden. Und da haben wir auch schon unsere MegaPixel als wichtige Größe - dazu aber in einem anderen Beitrag mehr.

Also kann man den Mond mit einem 2x Crop fotografieren und auf dem Foto ist dann eindeutig der Mond zu erkennen. Für das gleiche Foto mit einer APS-C Kamera braucht es ein 200mm Objektiv, da 1,5x200=300mm ergibt, bei einer Vollformatkamera gibt es nichts zu rechnen: 300mm sind eben 300mm.

Was brauche ich noch für dieses Foto, auf dem Fotos ist es ja schließlich Nacht!?

Tja, hier kommt ein FunFact: es war morgens um kurz nach 7 Uhr und der Himmel war blau. Der Mond wird von der Sonne beleuchtet (ja, das weiß jeder - ist aber wichtig!) und ist damit ein großer und heller Punkt am Himmel; das ändert sich auch nachts nicht! Wenn das Motiv sehr hell ist, dann brauchst du ein Objektiv mit einer kleinen Blende (z.B. f/8 oder f/16) und eine kurze Verschlusszeit. Die kurze Verschlusszeit oder auch Belichtung ist daher wichtig, damit das Foto hinterher nicht zu hell ist und man nicht die Krater und Schatten erkennt - denn dann könnte es auch die Sonne oder eine Taschenlampe sein.

Wenn das Motiv jedoch die Sterne sein sollen, z.B. unsere Milchstraße, da werden die Anforderungen an das Equipment schon etwas spezieller: Stichwort "Weitwinkel" - genauer sollte man hier aber "ultra Weitwinkel" nennen. Die Milchstraße kann man in bestimmten Teilen der Welt mit bloßem Auge sehen, eine Kamera braucht dafür auch mehr Sicht. Während für ein Berg, ein See oder Landschaften allgemein eine Brennweite von 24-35mm von Vorteil ist, braucht es für den (Sternen-)Himmel deutlich mehr im Blick, hier kommt das ultra Weitwinkel Objektiv (z.B. 20mm Kleinbild) zum Einsatz. Und da wir nun im dunkeln arbeiten, brauchen wir länger für ein Foto.

Warum brauchen wir länger für das Foto?

Sterne leuchten für sich sehr hell, sind aber sehr weit weg und bei uns kommt nur noch wenig davon an, um das Licht der Sterne also "einzufangen" brauchen wir mehr Zeit - die Ausnahme bildet die Venus. Der Mond ist hell und reflektiert das Sonnenlicht sehr gut, außerdem ist er nah dran und beleuchtet uns sogar, die Venus hingegen ist auch sehr hell, aber auch sehr weit weg (zweiter Planet von der Sonne aus gesehen) und benötigt daher ganz andere Parameter - und bestenfalls was ganz anderes: ein Teleskop.

Okay! Astrofotografie hält mich also nicht nur vom schlafen ab, sondern ist auch kompliziert. Landschaften sind einfacher!

Mitnichten. Was für ein Smartphone eine einfache Sache ist "draufhalten und klick/tipp" und alles ist drauf und scharf ist wieder dem Crop Faktor zuzuschreiben. Smartphones haben (sehr) kleine Sensoren und ein kleines Objektiv, der Crop Faktor beträgt hier etwa 5-8. Der Crop Faktor wird auch auf etwas namens "Schärfentiefe" (oder Tiefenschärfe) angewandt. Während wir den Crop auf die Brennweite anwenden um u.a. Fotos miteinander vergleichen zu können, ist dieser Crop auch auf die Blende anzuwenden. Wichtig dabei ist aber nur die "Schärfentiefe", die sich mit der Größe der Blende verändert; eine kleine Blendenzahl hat eine geringe Schärfentiefe oder auch "es ist weniger scharf abgebildet" und eine große Blendenzahl hat eine große Schärfentiefe bzw. "es ist mehr scharf abgebildet". Für die Landschaften mit Wald, Bergen und evtl. einem kleinen See in der Mitte, sollte alles Scharf abgebildet sein und auch da gibt es ein paar Dinge zu beachten - diese sind evtl. etwas einfacher.

Na gut, dann vielleicht doch lieber Sport. Ich bin oft beim "hier deine Sportart eintragen", da gibt es keine Haken!

Stimmt. Alles bestens, die gesamte Situation kann vom Smartphone bis zum größten Sensor eingefangen werden. Also man erkennt beinahe jeden Sport und wo sich evtl. die spielenden Parteien und ihr Spielgerät befinden - je nachdem von wo aus man das Foto macht. Ein Portrait vom Torwart ist allerdings während eines Spiels eher schwierig, wenn man da nicht das richtige Objektiv hat. Den Abschlag des Golfers im Bunker bekommt man mit einem geeigneten Tele-Objektiv und einer schnellen Kamera besonders gut eingefangen - noch besser wenn die Kamera "pre capture" kann (nimmt Bilder auf, bevor der Auslöser ganz gedrückt wurde). Also ein 150mm an einer M43 Kamera ist durchaus in der Lage, ein Vollformat oder APS-C mit 200mm kann das auch, evtl sogar besser wenn man "unnötig" viele MegaPixel zum beschneiden als Reserve hat. Superzoom Kameras können evtl. ebenfalls mithalten, haben aber mit einem häufig sehr kleinen Sensor und damit entsprechende Nachteile.

Dann mache ich nur Portrait-Fotos mit meinem Kit-Objektiv

Ja, das ist gut machbar, da die meisten Kit-Objektive mit f/3,5-5,6 eine recht große Blende mitbringen. Warum von/bis, was heißt das jetzt? Man spricht von Anfangsblende, die bei günstigen Objektiven variabel ist und beim Zoomen kleiner (größere Zahlen) wird. Günstig muss jedoch in einer Relation gesehen werden. Es gibt z.B. 70-200mm Objektive mit durchgehender Blende f/4, was wirklich gut ist. Das gleiche Objektiv gibt es aber auch mit durchgehender Blende f/2,8 und das kostet nicht einfach nur 50% mehr als das f/4 Objektiv - das sind oft 1.000-2.000 EUR Unterschied und kann bei mehr Brennweite auch noch teurer werden. Dritthersteller wie Tamron oder Sigma sind deutlich günstiger im gleichen Brennweitenbereich als der Kamerahersteller selbst - obwohl einige Objektivhersteller auch für den bekannten Kamerahersteller Objektive baut und dann das Label anpasst. Ein Beispiel betrifft Nikon und Tamron, bei denen das gleiche Objektiv mit Nikon Logo/Branding ca. 200 EUR teurer ist. Der Gebrauchtmarkt ist jedoch auch immer eine gute Alternative, ein gebrauchtes Objektiv sollte man am besten vor dem Kauf testen (wenn von privat gekauft wird) oder beim Händler gekauft werden.

Wie sieht es mit diesen Detail- oder Makrofotos aus?

Ein weiteres Spezialgebiet der Fotografie, welches jedoch recht einfach und günstig zum reinschnuppern geeignet ist. Wenn man nicht weiß ob man die Makrofotografie ernsthaft betreiben möchte oder nur mal so nebenbei betreibt, gibt es drei Möglichkeiten:

  • Zwischenringe (werden zwischen Kamera und Objektiv gesetzt) -- sind in verschiedenen Größen erhältlich -- sollten die elektrischen Kontakte für den Fokus haben -- mehr Schritte beim Anbringen -- verschlechtern das Motiv optisch nicht -- je nach Größe kommt weniger Licht auf dem Sensor an -- beinahe alle Objektive kompatibel
  • Vorsatzlinsen (werden wie ein Filter auf das Objektiv aufgeschraubt) -- gibt es in verschiedenen Stärken (Dioptrien) -- schnell angebracht -- auch kombinierbar (z.B. +2 & +4 sind dann +6) -- alle Objektive kompatibel
  • Retroadapter mit Autofokus -- nicht günstig -- nicht alle Objektive kompatibel -- wenig Licht wird zum Problem -- Autofokus nicht in vollem Umfang nutzbar

Bei einigen Kamerasystemen kann man ohne extra Aufwand nah an das Motiv herangehen und andere Systeme haben auf dem Gebrauchtmarkt günstige Makros, welche z.B. auch eine gute "Normalbrennweite" für ein anderes Gebiet der Fotografie abdecken: z.B. das Olympus 30mm f/3,5 Macro. Der Zusatz "macro" sagt nicht, dass es nur Makro kann, sondern dass es das auch, bzw. besonders gut, kann.

Was kann ich denn nun machen?

Grundsätzlich geht viel, aber alles mit Einschränkungen. Um die Anschaffung von speziellem Zubehör kommt man meist nicht herum. Ob es ein Stativ ist, um bei Dunkelheit ein gutes Bild von der Stadt, einem Industriegebiet oder einem Bahnhof zu machen, ein Aufsatz um z.B. das grelle Sonnenlicht abzuschwächen, ein sogn. ND-Filter (neutraldichte) in verschiedenen Stärken oder auch ein CPL-Filter (circular polarized filter oder auch "pol filter" genannt) um den Himmel blauer zu machen und Spiegelungen aus Wasser oder Scheiben/Fenster zu minimieren. Kamera und Objektiv brauchen Pflege, ein gutes Set zum reinigen kann allerdings günstig im online Handel individuell zusammengestellt werden - Sensorreinigung ist nicht ohne, das bieten die meisten Kamera-Shops vor Ort an. Objektive und auch das Äußere von Kameras begnügen sich zumeist mit einem Microfasertuch und einem Blasebalg, damit kommt man recht lange aus. Ein sogn. Staubstift mit Pinsel ist meiner Meinung nach eher nicht so gut. Ein buschiger Pinsel in Verbindung mit dem Blasebalg hingegen ist eine gute Ergänzung - gibt es auch als Kombi namens "Luftpinsel". Eine Tasche, ein zweiter Akku, ein (USB-C) Ladegerät für zwei Akkus oder auch eine Handschlaufe oder ein "neck strap" mit Schnellkupplung im Stil von "Peak Design" und auch sonst gibt es viel tolles Zubehör von z.B. "SmallRig".